Werkserie Peter Kohl
Au hasard Balthazar - Zum Beispiel Baltasar
Werkserie Peter Kohl – inspiriert vom schwedisch-französischen Spielfilm aus dem Jahr 1966, Regie und Drehbuch Robert Bresson
In Landes wird ein junger Esel von den Kindern Marie und Jacques auf den Namen Balthazar getauft. Seine ersten Jahre sind glücklich mit dem Mädchen aus dem Baskenland und dem Jungen aus Paris. Danach erleidet Balthazar als stumme Kreatur, als Lastesel, Zirkusattraktion und als von einem Verbrecher geerbtes Tier Eselsqualen. Bressons elliptische Geschichte über zwei Unschuldige, Marie und ihr Esel, wird auf wunderbare Weise zu einer Abhandlung über das Menschsein und zu einer Allegorie über Leiden und Transzendenz.Robert Bresson war der Meister der
„Bresson legt nahe, dass wir alle Balthasars seien. Trotz unserer Träume, Hoffnungen und Pläne wird die Welt schließlich mit uns so verfahren, wie sie es nun einmal tut. Weil wir denken und schlussfolgern können, glauben wir, wir könnten einen Ausweg, eine Lösung oder eine Antwort finden. Aber Intelligenz verschafft uns zwar die Fähigkeit, unser Schicksal zu begreifen, doch ohne die Macht, es auch zu kontrollieren. Dennoch lässt uns Bresson nicht mit leeren Händen zurück. Er bietet uns Mitgefühl als Rat an. Wenn wir über uns selbst hinausgehen und nachempfinden, wie andere fühlen, dann können wir Trost darin finden, menschliche Erfahrung zu teilen, statt sie in Einsamkeit alleine zu ertragen.“
– Roger Ebert[*]
»Der Film schlug in unserem Seminar ein wie ein aus fernen Welten abgestürztes Ufo und spaltete uns in fanatische Anhänger und wütende Gegner: provokant, fremd und überraschend, brach er mit allen Goldregeln des Mainstreamkinos diesseits und jenseits des großen Ozeans ebenso wie mit jenen des sogenannten europäischen "Kunstfilms" und war doch in geradezu erschreckender Weise vollendet in seiner absoluten Identität von Inhalt und Form.«
Michael Haneke
Die Nähe dieses Filmes „Au hasard Balthazar“ zu meinen Zugängen diese Welt zu begreifen mit den Mitteln meiner Kunst, hat mich tief berührt. Der Mensch als Wesen dieser Welt, der sowohl das Gute als auch das Böse in sich trägt. Im ständigen Kampf zwischen diesen beiden mächtigen Polen schafften wir Systeme die alles andere als vollkommen sind. Demokratie, Diktatur, Religionen bieten uns Lebensformen die wir leben können, dürfen oder müssen. Dazwischen passiert das Leben das sowohl Freude als auch unendliches Leid produziert.
Der Esel Balthazar als tierische Metapher für das stoische Ertragen des Leides, die Nähe zum Katholizismus und das andere optimistische Ausblicke als der Tod nicht möglich sind, ist mein Ansatz in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Film von Bresson. Escape in to the stuff – Flucht in den Stoff - ein möglicher positiver Ausblick in meiner Bilderwelt. Balthazar ein Stoffesel? Eine Herausnahme aus dem Kreislauf des Leidens durch die Verniedlichung. Ist das möglich? In meiner Welt begegnet Balthazar dem Leiden als verniedlichter Stoffesel. Er ist nicht mehr direkt betroffen. Ein stiller Beobachter aus Plüsch, am Blumenfeld, zugedeckt, entsteht ein neuer Kontext.
Peter Kohl

