Lebensbäume & Fetzenfische
Schon seit ihren Jugendjahren ist die Künstlerin Andrée Helen Soller Frager von der Schöpfung und den vielfältigen Zusammenhängen des Lebens auf unserer Erde fasziniert. Während einer Yogapraxis erschien ihr als junge Frau vor dem geistigen Auge das Bild eines Baumes, zusammengesetzt aus Tieren und Pflanzen – ein Sinnbild des Ökosystems. Dieses innere Bild wurde zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Arbeit, die sie bis heute begleitet. Reisen, Wanderungen und die kontinuierliche Arbeit im eigenen Garten haben ihre tiefe Verbundenheit mit der Natur über die Jahrzehnte hinweg bewahrt und vertieft. Im Laufe der Zeit erweiterte sich ihr Motivkreis: Zu den Lebensbäumen traten Unterwasserwelten, erotische Szenen, Weihnachtsmotive und schließlich Tableau- Kompositionen, inspiriert von historischen zoologischen Bildtafeln. Dabei geht es Soller Frager nicht allein um eine möglichst naturgetreue Darstellung von Tieren. Jedes Lebewesen erhält einen eigenen Bildraum – einen symbolischen Lebensraum, der seine Einbettung in die Natur sichtbar macht. Aus der Faszination für die unzähligen ökologischen Beziehungen, in denen jedes Wesen mit seiner Umwelt verbunden ist, entwickelte sich eine Bildsprache, die von Mikrokosmen erzählt: eigenständig und doch miteinander verflochten, wie das Ökosystem selbst. Auch formal spiegelt sich dieser Gedanke wider. Die anfangs streng schachbrettartig gegliederten Bildfelder lösen sich zunehmend auf und gehen teils in fließende, organisch miteinander verbundene Räume über. Sie besitzen keine einheitliche Form und fügen sich dennoch zu einem harmonischen Ganzen. Die gebürtige Zürcherin arbeitet mit feinsten Pinseln, Gouache, Acryl und Bleistift. In geduldiger, konzentrierter Arbeit entstehen Bilder von außergewöhnlicher Detailfülle, in denen jedes Element seinen Platz findet. Getragen wird ihr Schaffen von dem Wunsch, die Schönheit und Vielfalt der weltweiten Flora und Fauna sichtbar zu machen und die Verbundenheit allen Lebens erfahrbar werden zu lassen. Wenn ihre Bilder dazu beitragen, den Blick für die Natur zu schärfen und ihr mit größerer Achtsamkeit und Respekt zu begegnen, haben sie ihren tiefsten Sinn erfüllt.






